Jun 29

Nomade oder Ackerbauer – Ursache v. Übergewicht


Angeborene Ursachen von Übergewicht und Fettsucht – Nomade oder Ackerbauer
Dr. Wolfried Meier
Wer darüber nachdenkt, mit Hilfe einer Diät seinen Fettmassen den Kampf anzusagen, also wirklich ernsthaft und planmäßig abnehmen will, sieht sich plötzlich einer Fülle von Diäten ausgeliefert und damit hoffnungslos überfordert. So gibt es beispielsweise eiweißreiche Diäten (Fleisch gegen Fett), fettreiche Diäten (Fett gegen Fett), aber auch kohlehydratreiche Diäten (Stärke gegen Fett). Daneben gibt es Trennkost- Diäten, Mischkost-Diäten, Blutgruppen-Diäten, Fastenkuren, Formula-Diäten, Psycho-Diäten und neuerdings auch Internet-Diäten. Die Fülle dieser Angebote beweist – die Diät für alle gibt es nicht. Vereinzelte Erfolge gibt es schon, die Betroffenen aber finden häufig nach Abbruch der Diät, meist schon nach kurzer Zeit, wieder zu ihrem Ursprungsgewicht zurück und oft nicht nur das, sie nehmen durch den Jo-Jo-Effekt noch mehr zu.
Trotz intensivster Bemühungen von Seiten der Wissenschaft ist es bisher nicht gelungen, die Ursache der Fettsucht (Adipositas) zu finden.
In letzter Zeit setzt sich zunehmend die Theorie der erblichen Veranlagung zur Adipositas durch. Begründet wird diese Theorie mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Diese lässt drei Typen in der Menschheitsgeschichte erkennen:
1. den Nomaden
2. den Ackerbauern
3. den Industrie-Menschen

1. Der Nomade aus der Frühzeit
Der Mensch der Frühzeit, also der Nomade, musste sich seine Nahrung durch Jagen und Laufen beschaffen. Sein Stoffwechsel war daher auf diesen Rhythmus von Bewegung, Hungern und Sattsein bei einem überwiegend eiweißreichen, kohlehydrat- und fettarmen Nahrungsangebot eingestellt. Überschüssige Nahrung wurde als Energiereserve in Form von Fett gespeichert, um Hungerzeiten zu überstehen. Dieser erblich angelegte Mechanismus der Energiespeicherung in einer Zeit unregelmäßiger Nahrungsversorgung hat der Gattung Mensch das Überleben über Zehntausende von Jahren gesichert.

Der Nomade von heute
dagegen bewegt sich nicht mehr, isst zu viel Kohlenhydrate (Zuckerstoffe) in Kombination mit Fett. Die Fettspeicher werden durch den Bewegungsmangel nicht mehr entleert. Der genetische Überlebensvorteil der Fettspeicherung für Notzeiten ist ins Gegenteil verkehrt, da das Übergewicht durch ein ganzjähriges Nahrungsangebot aufrecht erhalten wird.

2. Der Ackerbauer von früher
ernährte sich überwiegend von Ackerbau und Viehzucht. Dadurch konnte er, abgesehen von Missernten, eine weitgehend regelmäßige Versorgung an Nahrungsmitteln mit Kohlehydraten sicherstellen. Er musste sich diesen Ernährungsstatus durch Muskelarbeit erarbeiten und besaß eine Kraftmuskulatur, die viele Kohlenhydrate verbrennen musste. Dadurch wurde die Entstehung von Übergewicht vermieden.

Der Ackerbauer von heute
dagegen hat sich zum Sitzmenschen entwickelt, wobei er wenige Stärke-Kohlehydrate isst. Stattdessen isst er zuviel Fastfood – also zuviel Fett und Eiweiß. Dieser Lebensstil mit Überflussernährung und Bewegungsmangel ist von seiner Erbsubstanz her nicht vorgesehen – es entwickelt sich Übergewicht oder gar eine Fettsucht.

Also: der Nomadentyp ist an Ausdauer-Bewegung angepasst und an kohlehydratarme Kost.
Kohlehydrate (Stärke) wandelt er schnell in Fett um.
Er wird dick bei wenig Bewegung und kohlenhydratreicher Kost.
Der Ackerbautyp ist angepasst an Kraftbewegung und kohlenhydratreiche, fettarme Kost. Überschüssige Kohlenhydrate verbrennt er zu Wärme. Er wird dick bei wenig Bewegung und fettreicher Kost.

3. Der Industriemensch
ist einem veränderten Nahrungsmittelangebot ausgeliefert – Nahrung ist ständig verfügbar. Aber auch die Bewegungsgewohnheiten machten einen Wandel durch. Vereinsamte Fahrräder im Keller, eigene Zweit- und Dritt-Autos, Rolltreppen, Fahrstühle, Heimkino durch Fernsehen, Video und DVD hindern den Menschen daran, auch die alltäglichen Bewegungen auszuüben.

Der Mensch besitzt ein geniales Erbprogramm, das ihn auch bei unzuverlässigem Nahrungsangebot überleben lässt. Hungersnöte konnten dadurch früher nicht die gesamte Bevölkerung ausrotten. Diese Erbanlagen ermöglichten dem Körper, Energie in dichtester Form in den Fettzellen zu speichern und bei Bedarf abzurufen. Erst unser Überfluss gepaart mit Bewegungsmangel kehrt diese früher lebenswichtige Fettspeicherung in einen Risikofaktor um, verursacht die Krankheiten dieses Jahrhundert – die Stoffwechselerkrankungen.
Das Versagen der bisher bekannten Diäten beruht auf unseren Erbanlagen. Wenig Essen erinnert den Körper an Notzeiten und damit kann er dank dieser Erbanlagen blendend umgehen.
Klar ist : Es gibt eine erbliche Veranlagung für Übergewicht.
Übergewicht wird aber nicht direkt vererbt, sonder nur die Veranlagung dazu. Erbe und Umwelt müssen zusammen betrachtet werden. Erst wenn die Überflussernährung auf die Anlage stößt, kommt es auch zum Übergewicht.

Bei der Suche nach einer geeigneten Diät sollte man daher zunächst versuchen herauszufinden, ob man Nomade oder Ackerbauer ist. Denn der Nomade wird durch zuviel Kohlenhydrate zu dick, der Ackerbauer durch Fett. Das Vermeiden seiner „persönlichen Dickmacher“ – Kohlenhydrate oder Fett – verbunden mit regelmäßiger sportlicher Betätigung wäre somit der richtige Weg zur Gewichtsreduktion und Verhinderung von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes.

Dr. Wolfried Meier, Diabetologe und Ernährungsmediziner

Jun 29

Unterzuckerung – Hypoglykämie

Unterzuckerung (Hypoglykämie) – erste Anzeichen und erste Hilfe
Bei einem Patienten mit Zuckerkrankheit kann es trotz sorgfältiger Tabletten- oder Insulin-Einstellung zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen. In diesem Fall ist der Blutzuckerspiegel einfach zu niedrig (unter 50 mg/dl oder 2.7 mmol/l) und es kommt aufgrund des Zuckermangels in den Gehirnzellen zu Symptomen, die bis zum Bewusstseinsverlust führen können.
Mögliche Ursache für Unterzuckerungen sind:
zu wenig Kohlenhydrate gegessen
zu starke körperliche Anstrengungzu viel Insulin gespritzt oder
zu viele blutzuckersenkende Tabletten eingenommen
zu hoher Alkoholkonsum (Alkohol kann auch noch nach zwölf Stunden zu niedrigen Blutzuckerwerten führen)

Anzeichen der Unterzuckerung sind:
Heißhunger
Schweißausbruch
Herzklopfen
Angst und Unruhe
Konzentrationsmangel
Schläfrigkeit
Srach- oder Sehstörungen
Wesensänderungen
Krämpfe

Bei sehr starkem Absinken des Blutzuckers kann es zur Bewusstlosigkeit kommen.

Therapie bei akuter Unterzuckerung:
Bei den ersten Anzeichen essen oder trinken Sie sofort etwas Zuckerhaltiges, z. B. drei bis fünf Täfelchen Traubenzucker oder ein Glas Cola, Limonade oder Saft (jedoch keine Light-Getränke, da kalorienfrei! ). Um ein erneutes Absinken des Blutzuckerspiegels zu vermeiden, nehmen Sie anschließend eine belegte Scheibe Brot oder ähnliches zu sich. Kontrollieren Sie, wenn Sie sich wieder etwas wohler fühlen, Ihren Blutzucker und tragen Sie das Ergebnis in ihr Tagebuch ein.
Besprechen Sie den Grund für die Unterzuckerung beim nächsten Arztbesuch.

Wann Sie fremde Hilfe brauchen:
Bei einer schweren Unterzuckerung können Sie das Bewusstsein verlieren. In diesem Fall ist es wichtig, dass Ihre Angehörigen, Freunde oder Bekannten Ihnen richtig helfen können.  Führen Sie daher einen Notfallausweis mit, aus dem ersichtlich ist, dass Sie Diabetiker sind!!
Das wichtigste Mittel bei der schweren Unterzuckerung ist das Glucagon (Glucagen Hypokit ®) das ebenfalls wie Insulin subkutan gespritzt wird. Ihre Angehörigen sollten sich mit der Handhabung dieses Notfall-Sets  vertraut machen.
Vorbeugung der Unterzuckerung:
Nehmen Sie in jedem Fall immer Traubenzucker für unterwegs mit. Kontrollieren Sie regelmäßig ihre Blutzuckerwerte.
Essen sie vor körperlicher Belastung bitte zusätzlich zwei Broteinheiten
Längere körperliche Anstrengungen können eine Senkung der Insulindosis erforderlich machen. Besprechen Sie dieses vorher mit ihrem Hausarzt .
Halten Sie Ihren Ernährungsplan ein und beachten Sie die Wirkungen von Alkohol.
Erhöhen Sie keineswegs eigenmächtig Ihre Insulin- und Tablettendosis wenn Sie dieses nicht mit ihrem Arzt zuvor besprochen haben.
Beachten Sie, dass Sie die Tabletten und Insulindosis aber unbedingt reduzieren müssen, wenn sie z. B. aus Krankheitsgründen nicht ausreichend essen können. Im Zweifel nehmen Sie lieber einen höheren Blutzucker in Kauf als eine schwere Unterzuckerung.
Wenden Sie sich gegebenenfalls rechtzeitig an Ihren Hausarzt bzw. den Notdienst, um die Dosisänderung von Medikamenten bei akuten Erkrankungen zu erfragen.

Klären Sie insbesondere rechtzeitig vor geplanten ärztlichen Eingriffen und Untersuchungen, bei denen Sie nüchtern bleiben müssen, wie Sie sich bezüglich Ihrer Tabletten- und Insulin Dosis verhalten müssen.

© Dr. C. Keller – 11.02.2017